Rezension zu: Fabian Kessl, Melanie Plößer (Hg.): Differenzierung, Normalisierung, Andersheit. Soziale Arbeit als Arbeit mit den Anderen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010.

Sabine Brombach

Abstract


Dieses Lehrbuch enthält eine Fülle von aktuellen theoretischen Überlegungen und Beispiele empirischer Forschungen zum Umgang mit Differenz und Andersheit (otherness), einem Kernthema der Sozialen Arbeit, ist doch die Festsetzung von Normalität und Anderssein die historische, fachliche und politische Grundlage der Profession bzw. Disziplin und zudem von aktuellem methodologisch-sozialwissenschaftlichen Interesse. Zwar haben differenztheoretische, dekonstruktive und intersektionale Ansätze binäre Denkstrukturen abgelöst, gleichzeitig greift aber weiterhin die Normalisierungsmacht als Maxime sozialarbeiterischer (Grenz-)Bearbeitung. Dem interaktiven, also sozial produzierten doing difference mit dem Anspruch der Integration stehen die Praktiken der Normalisierung, des labeling approach und der Ausgrenzung gegenüber. Ebenso wie in der Geschlechterforschung besteht auch hier die Gefahr, dass differenzsensible (gendersensible) Haltungen zu einer Reifizierung von Andersheiten (Geschlecht) führen. Diesem Dilemma muss sich – wie in den vorgestellten empirischen Kontexten deutlich wird – Soziale Arbeit in Analyse, Methode und Haltung stellen. In vierzehn Beiträgen werden unterschiedliche differenztheoretische Perspektiven eingenommen und kritisch weiterentwickelt, stets unter Rückbezug auf Kategorien, Konzepte und Programme der Differenzierung, der Andersheit und der Normalisierung sowie der daran anschließenden Betrachtung verschiedener Differenzierungs- und Normalisierungspraxen im Kontext Sozialer Arbeit. Dem Anspruch eines Lehrbuchs folgend, entwickelt in einem Eingangskapitel die Arbeitsgruppe Inter Kultur einen Fragenkatalog als re- und dekonstruierende Lesehilfe.

Schlagworte


Soziale Arbeit; Diversity; Geschlecht; Gender

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DOI: http://dx.doi.org/10.14766/916



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