Arne Duncker: Die andere Geschichte

Die andere Geschichte. Quellen zur Geschlechtergeschichte aus drei Jahrtausenden

Rezension von Arne Duncker

Franziska Conrad, Hartmann Wunderer:

Geschlechtergeschichte.

Historische Probleme und moderne Konzepte.

Braunschweig: Schroedel 2005.

191 Seiten, ISBN 3–507–36854–4, € 16,95

Abstract: Das im Schroedel-Verlag erschienene sehr informative Quellen- und Arbeitsbuch zur „Geschlechtergeschichte“ ist als Lehrbuch für die Sekundarstufe II konzipiert und darüber hinaus sicherlich in vielen Fällen auch als Einführungslektüre für Studienanfänger/-innen und sonstige Einsteiger in das Forschungsgebiet Geschlechtergeschichte uneingeschränkt empfehlenswert. Das Werk behandelt in insgesamt acht Kapiteln Schwerpunktthemen der Frauen- und Geschlechtergeschichte, von der griechischen Antike über Mittelalter und Aufklärung bis zur Gegenwart. Neben „klassischen“ Fragestellungen der Frauenforschung – wie Matriarchat, Frauenklöster, Hexenverfolgung, Ehepflichten, philosophische Diskurse des 18. Jahrhunderts – sind dabei insbesondere auch die neueren und neuesten Ansätze der Geschlechterforschung einbezogen, Themen wie Duellforschung, wie Körper- und Kleidungsvorstellungen, auch Definitionsversuche des Geschlechts als „soziokulturelles Daseinskonstrukt“ sowie Fragen der Intersexualität und Transidentität. Eine besondere Stärke in der Aufbereitung des Stoffes – gerade auch im Vergleich mit ähnlicher Einführungslektüre – liegt in dem ausgesprochen quellenzentrierten Vorgehen. Oft lässt das vorliegende Sammelwerk die zeitgenössischen Quellen selber zu Wort kommen und beschränkt dabei die Kommentierungen dieser Quellen auf das unerlässlich Notwendige. Dies trägt zu einer vorzüglichen, didaktisch gut aufbereiteten und sehr lebendigen Darstellungsweise bei.

Inhaltlich fällt auf, dass sich das Werk mit einem über Frauengeschichte hinausgehenden Begriff der „Geschlechtergeschichte“ unter Einbeziehung neuester Forschungsansätze insbesondere der 1990er Jahre befasst. Dies wird nicht nur an den besonders hervorgehobenen Abschnitten zu Anfang und Ende (S. 8; 179–181) deutlich, in denen die Frage nach Geschlecht bzw. gender als „Konstrukt“ gestellt wird. Auch im Verlauf der behandelten Einzelthemen wird verschiedentlich über „klassische“ Frauengeschichte hinausgegangen und Männergeschichte erörtert, so wird z. B. der Begriff einer spezifisch männlichen Ehre im Zusammenhang der historischen Duellforschung (S. 107–110) untersucht.

Herausgeber des Bandes sind Hartmann Wunderer und Franziska Conrad, unterstützt wurden sie durch Stephan Schmal als Redaktor. Eingeteilt ist die Darstellung in ein Einführungskapitel („Das europäische Patriarchat“) und sieben Hauptabschnitte zu ausgewählten Einzelfragen von der Antike bis zur Gegenwart. Grundsätzlich gliedern sich die Abschnitte bzw. Unterabschnitte in drei Teile: zunächst eine kurze Kommentierung, dann als Schwerpunkt eine Reihe von Quellen und sonstigen Arbeitstexten und zum Abschluss einige Fragen als Anleitung zur Interpretation der Arbeitstexte.

Geschlecht als Konstrukt

Der Einführungsabschnitt trägt den Untertitel „Geschlecht als Konstrukt“. Hier wird einleitend auf den modernen Gender-Begriff und unterschiedliche Legitimationsversuche zur Herrschaft des Mannes in Kirchengeschichte und Aufklärung eingegangen. Unterlegt wird dies mit zwei Stellen aus den Briefen des Neuen Testaments sowie mit zwei von Rousseau beeinflussten Texten des späten 18. Jahrhunderts. Diese Beispiele können selbstverständlich nur einen recht kleinen Teil der historisch vorliegenden Legitimationsversuche widerspiegeln. Hinsichtlich der von Rousseau abgeleiteten Positionen wird die aufschlussreiche Frage aufgeworfen, inwieweit sie auf eigenartige Weise fortschrittlich und reaktionär-frauenfeindlich zugleich seien.

Antike Geschlechterbeziehungen und der Mythos vom Matriarchat

Die antiken Geschlechterbeziehungen werden vor allem anhand einiger sehr schön ausgewählter Texte der griechischen Literatur und Philosophie dargestellt. Insoweit ließe sich allenfalls bemängeln, dass Aristoteles, eine der zentralen Gestalten europäischer Patriarchatsbegründungen, dabei nicht einbezogen ist (siehe dann aber S. 31 zum Mittelalter: Rückbezug auf Aristoteles bei Thomas v. Aquin). Andererseits werden sicherlich bewusst eine Reihe antipatriarchal verwendbarer Ansätze ausgewählt wie z. B. die Amazonen-Legende oder die Lehren Platons. Etwas bedauerlicher ist, dass im vorliegenden Lehrbuch die Zeit der Römer fast völlig übersprungen wird. Hintergrund ist womöglich, dass für die Antike nur beschränkter Platz (und beschränkte Unterrichtszeit) zur Verfügung stand und dieser lieber mit der Konzentration auf einen bestimmten Ausschnitt der griechischen Überlieferung genutzt werden sollte als mit einem oberflächlichen Rundumschlag durch unterschiedlichste Epochen, Länder und Textgattungen, eine alles in allem nachvollziehbare Entscheidung.

S. 20–26 sind der Matriarchatsforschung gewidmet. Die Einführung, die auf die bekannten Schriften Bachofens, Morgans und Engels‘ Bezug nimmt, könnte noch kurz dadurch ergänzt werden, dass neuesten Forschungen zufolge auch vor dem 19. Jahrhundert bisweilen ähnliche Thesen vertreten wurden, wenn auch mit anderer Zielsetzung, so z. B. in der schottischen Sozialphilosophie des 18. Jahrhunderts oder bei Pufendorf. Die folgende Gegenüberstellung von Texten zum Matriarchat ist sehr gut gelungen. Hier werden geschickt die Forschungsinhalte, die Frage nach der Grenze zwischen Geschichte und Mythos, die Funktion eines Mythos und die Frage nach der realen Situation der altgriechischen Frauen miteinander verbunden, und auch moderne feministische Verteidigerinnen des Matriarchats kommen zu Wort.

Ekstase und Askese – Geschlechterbeziehungen im Mittelalter

Die Stellung der Geschlechter im Mittelalter wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln geschildert: zunächst (S. 29–32) der gelehrte und geistliche Diskurs, dann (S. 33–37) ein im engeren Sinne rechtshistorisches Kapitel über Eherecht und Zusammenleben, das auch weitere frauenrechtliche Gebiete (Erbrecht, Frauenzünfte) sowie außerrechtliche Verhaltenserwartungen an die Ehefrau umfasst. Selbstverständlich herrschte im deutschen und europäischen Mittelalter hier keineswegs Rechtseinheit, vielmehr konnte die Rechtslage je nach Zeit und Ort sehr unterschiedlich sein. Innerhalb der Kurzdarstellung eines Lehrbuchs ist es gleichwohl legitim, sich auf einige typische Merkmale zu beschränken, wie dies hier geschehen ist. Allenfalls hätte der zeitliche und quellenmäßige Unterschied zwischen frühmittelalterlichen und späteren Rechten noch in ein oder zwei weiteren Sätzen kurz erläutert werden können, was aber (S. 34 unten) im Rahmen des sehr wertvollen Hinweises auf Konsensehe und kirchliche Eheschließungsform bereits in gewissem Umfang geschieht. Auch im vorliegenden Kapitel werden – wie schon in den Texten zur Antike – „starke“ Frauen vorgestellt, die in ihrer Zeit Möglichkeiten zum selbständigen Handeln suchen und finden, hier in einem Text über erfolgreiche Handwerkerinnen in der Seidenweberei. Die Suche nach starken und selbstbestimmten Lebensmöglichkeiten von Frauen in ihrer jeweiligen Zeit ist somit durchaus ein gewisses Leitmotiv des vorliegenden Werkes. Hierzu muss die Sichtweise vieler historisch vorfindbarer Quellen oder eingefahrener Interpretationen, in denen Frauen als Objekt, als Opfer oder als abstrakte gesellschaftliche Rechengröße auftauchen, gebrochen werden, ein schwieriger, aber mutiger Schritt, der hier im Ergebnis vorzüglich gelungen ist und im übrigen der Lebendigkeit und didaktischen Qualität der Darstellung sehr zuträglich ist.

Ein weiterer Abschnitt befasst sich mit der Ehe im Mittelalter (S. 38–42), wobei insbesondere die Frage nach Liebe und Emotionalität in damaligen Ehen gestellt wird. Sodann wird das Leben in Frauenklöstern und Beginenkonventen dargestellt (S. 43–46) und in einem Exkurs am Beispiel der Minnelyrik (S. 47–50) Literatur als historische Quelle untersucht.

Hexenverfolgungen

Ein gesondertes Kapitel beschäftigt sich mit den Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit. Hierzu werden zeitgenössische Verhörprotokolle zitiert, außerdem Schriften des 16. und 17. Jahrhunderts über den Umgang mit Hexen, u. a. Spees Cautio Criminalis. In einem weiteren Schritt erfolgt die Frage nach den Ursachen der Hexenverfolgung . Zur Unterstützung werden quantitative Untersuchungen aufgelistet, aus denen sich ein hoher Frauenanteil und ein unterschiedlich hoher, aber immer vorhandener Männeranteil unter den Angeklagten sowie ein hoher Anteil der älteren Frauen über 50 ergibt. Unter den Erklärungsmustern für die Verfolgungen befindet sich auch der feministische Ansatz Göpels (vgl. S. 68).

Aufklärung, Revolution und Geschlechterbilder

Quellen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts sind im folgenden Abschnitt versammelt. Wenn für die Positionen der männlichen Philosophen (S. 75 f.) Kant – von 1764, nicht hingegen das später etwas anders gestaltete Ehebild in der Metaphysik der Sitten – sowie Fichte als Beispiele dienen und an anderer Stelle die Position Rousseaus aufgeführt wird, so verfestigt sich hier leicht der Eindruck, diese Männer hätten doch letztlich allesamt eine naturgegebene Verschiedenheit der Geschlechter gepredigt, welche am Ende zur Unterordnung der Frau geführt hätte. Dies ist ergänzungsbedürftig. Der männliche Diskurs über die Stellung der Frauen war im 18. Jahrhundert auch zu ganz anderen Positionen fähig, denn zumindest eine starke Minderheit war über den Gedanken der Vertragsfreiheit jedenfalls theoretisch zu einer prinzipiellen Gleichberechtigung der Frau gelangt. Einer der Vertreter dieser Position – z. B. Wolff – hätte hier Kant und Fichte zugesellt werden können, gerade auch, um zu zeigen, mit welchen argumentativen Tricks die theoretisch geforderte Gleichberechtigung von vielen, aber nicht allen ihrer vermeintlichen Verfechter opportunistisch an die praktische Ungleichheit angepasst wurde.

Sehr gut gelungen ist der Unterabschnitt „Aufbrüche von Frauen“ (S. 77–80), in dem es abermals um die Lebenswirklichkeit „starker“ selbständiger Frauen geht, hier nach Selbstzeugnissen dreier Schriftstellerinnen. Ein besonderer Schwerpunkt gilt dann den Frauen in der Französischen Revolution, unter besonderer Berücksichtigung von Olympe de Gouges und Mary Wollstonecraft. Von letzterer werden (S. 86 f.) zwei Quellen zitiert.

Männliche und weibliche Ehre im 19. Jahrhundert

Die sehr wichtige Frage nach einer spezifisch „männlichen“ und „weiblichen“ Ehre wird auf S. 91–118 gestellt. Damit wird explizit auch die Männerforschung zum Gegenstand der Darstellung. Hierbei ist durchaus bemerkenswert, dass das Duell als Gegenstand der Männerforschung maßgeblich von Frauen bearbeitet wurde. Schon Helene Lange (zitiert auf S. 110) arbeitete 1912 einen Zusammenhang zwischen Duell, männlicher „Ehre“ und Patriarchalismus heraus, und die weiterhin führende Monographie zum Thema schrieb 1991 Ute Frevert. Nach Jahrtausenden voller Texte von Männern über das Wesen der Frau schrieben nun also Frauen über die Männer, im übrigen mit inhaltlich zutreffenden Einschätzungen.

Die Quellen entstammen vorwiegend dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Im einzelnen ist der Abschnitt zur Ehrenfrage gegliedert zunächst in „männliche Ehre, Waffenrecht und Wahlrecht“, dann in „Ehre und Ehe“ – mit Textbeispielen des BGB-Eherechts zwischen 1900 und 1977 –, „das Duell“, und schließlich in „Männerkörper – Frauenkörper“. Mit der Frage der Körperlichkeit und Kleidung wird ein weiterer Gegenstand der aktuellen Geschlechterforschung in die Darstellung aufgenommen.

In Rahmen des vorliegenden Abschnitts werden einige Quellen der älteren Frauenbewegung zitiert. Die Frauenbewegung um 1900 selbst, ihre unterschiedlichen Flügel und Hauptforderungen sind aber leider nicht Gegenstand einer gesonderten Betrachtung, sicherlich aus Platzgründen.

Männer und Frauen im Nationalsozialismus

Ein gesonderter Abschnitt befasst sich mit der Stellung der Geschlechter in der NS-Zeit . Zunächst erfolgt hier eine Untersuchung nationalsozialistischer Frauen- und Männerbilder, dann wird der Frage nach einer „nationalsozialistischen Mode“ (gemeint ist speziell die Frauenkleidung) nachgegangen. Die danach folgenden – und umfangreichsten – Unterabschnitte behandeln die Tätigkeiten der Frauen im Arbeitsleben, namentlich kurz vor und während des Krieges, sowie den engen Zusammenhang von Rassenpolitik, Familienpolitik und Aufgaben der Frau. Eingegangen wird hierbei auch auf die Verfolgungen Erbkranker und Homosexueller.

Deutschland 1945 bis 2005

Der längste Abschnitt behandelt Fragen der Zeitgeschichte und Gegenwart. Seit 1949 ist in beiden Teilen Deutschlands die Gleichberechtigung verfassungsrechtlich verankert. Bis zur Umsetzung dieser Prinzipien im Alltag, beispielsweise bei der Haushaltsführung (S. 142, 178), bleibt gleichwohl ein langer Weg. Analysiert werden zunächst die Geschlechterbeziehungen in der Nachkriegszeit, die Anfänge der Neuen Frauenbewegung und die Lage der Frauen in der DDR. Nach diesen zeitgeschichtlichen Abschnitten nähert sich die Darstellung der Gegenwart an. Hier sind von Interesse der Wandel von Familienstrukturen und Familienphasen, die Suche nach dem „neuen Mann“ (S. 166–172, behandelt auf S. 169–172 die eingetragene Lebenspartnerschaft und gleichgeschlechtliche Ehe) sowie die Suche nach neuen Geschlechterarrangements der Gegenwart. Der abschließende Abschnitt „Was ist Geschlecht ? – Noch einmal zu den Wurzeln des Gender-Konzepts“ (S. 179–181) gehört zu den wichtigen Grundlagenteilen des Lehrbuchs. Viele historische und gegenwärtige Diskussionen bauen auf der klaren lebenslänglichen Zuordnung einer Person zu einem bestimmten Geschlecht und den damit verbundenen Charaktereigenschaften auf. Neue Entwicklungen in der Gender-Forschung stellen dies in Frage. Nicht nur, dass das sog. soziale Geschlecht nur eine von mehreren Geschlechtskomponenten darstellt und prinzipiell auch anderen Komponenten derselben Person widersprechen kann, darüber hinaus kann auch die körperliche Identität wechseln wie im Fall der Transidentität oder uneindeutig sein wie im Fall der Intersexualität. Das letzte Bild des Buches (S. 181) zeigt die israelische Sängerin Dana International, transidente Siegerin des Eurovision Song Contest 1998.

Begleitendes Material und Gesamteindruck

Hervorzuheben ist die Ergänzung der Arbeit durch ein Register (S. 187–190). Dadurch wird das Werk sehr ansprechend erschlossen. Ein Literaturverzeichnis (S. 182–184) soll zur weiteren selbständigen Arbeit anleiten, es enthält als Anhang Verweise auf Internetquellen, unter denen u. a. auch querelles-net angeführt ist. Als gedruckte Literatur ist fast nur historisch-sozialwissenschaftliche Sekundärliteratur der Zeit seit 1978 aufgelistet. Hier wäre eine Ergänzung durch Einarbeitung einiger ausgewählter Primärquellen und einiger Werke aus Nachbarwissenschaften (Rechtsgeschichte, Medizingeschichte, feministische Theologie) sowie zur Altertumskunde empfehlenswert. S. 185/186 enthalten gute weiterführende Hinweise auf mögliche Themen für Facharbeiten. Begleitet wird der fortlaufende Text in allen Kapiteln von zeitgenössischen Bilddarstellungen, die sehr schön zur visuellen Ergänzung des Stoffes beitragen.

Insgesamt handelt es sich um ein vorzügliches Lehrbuch, dem weite Verbreitung zu wünschen ist. Es ist dazu geeignet, Schüler/-innen und Studierenden beim Erstkontakt mit Geschlechtergeschichte kompetentes Wissen, Interesse am Lehrstoff und Neugier auf weitere Information zu vermitteln und dürfte den Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe II einige der eher erfreulichen Stunden des Schul-Daseins verschaffen. Das Buch ist sehr gut lesbar, vertritt ein auch zur Studienvorbereitung hervorragend geeignetes quellenzentriertes Konzept und ist uneingeschränkt empfehlenswert.

Auch das Gute kann noch verbessert werden. Ein kurzes Lehrbuch kann zwar keine historische Vollständigkeit anstreben. Dennoch erschiene es lohnend, die vorliegende Zusammenstellung noch gezielt an zwei für die Geschlechtergeschichte bedeutenden und quellenmäßig hochinteressanten Punkten zu ergänzen: ein kurzer Abschnitt zur Römerzeit und ein weiterer mit ausgewählten Texten der historischen Frauenbewegung um 1900 würden sich noch gut in den Gesamtzusammenhang einfügen.

Lehrbüchern wie auch wissenschaftlichen Werken liegt zwangsläufig ein bestimmtes Menschenbild und oft auch ein bestimmtes Geschlechterbild zugrunde. Fraglich ist, worin dieses im vorliegenden Fall bestehen mag. Die ausgewählten Texte sind vielfältig genug, für unterschiedliche Interpretationen und auch für unterschiedliche Entwicklungen und Meinungsbilder Raum zu lassen. Aber dennoch lässt sich, wie oben angedeutet, feststellen, dass die historischen Beispiele für starke und selbständig handelnde Frauen durchaus einen gewissen Schwerpunkt bilden. Schwieriger ist das Männerbild zu beurteilen. Die auf das 19. Jahrhundert bezogenen Ansätze zur Männerforschung stellen die damalige Konstruktion einer spezifisch männlichen Ehre als zu Recht veraltet dar. Die Frage nach dem „neuen Mann“ der Zeit um 2000 wird gestellt, aber kann und sollte nicht eindeutig beantwortet werden. Möglicherweise bietet hier eine übergreifende Sicht der Geschlechtsfrage, wie sie am Anfang und Ende des Buches gestellt wird, eine Antwort. Es wäre danach nicht zwingend notwendig, zwischen die Identität als Mensch und die persönlichen Eigenschaften des Individuums noch eine künstliche Gruppenidentität – oder „Konstruktion“ – des Geschlechts zu stellen.

URN urn:nbn:de:0114-qn063063

Dr. Arne Duncker

Hannover

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